Willkommen zum 6. Europaischen CPLOL Kongress
Grußworte des Schirmherren Cem Özdemir
Sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 6. wissenschaftlichen Kongresses der CPLOL,
in den kommenden Tagen befassen sich die hier versammelten Logopädinnen und Logopäden mit der „kulturellen Vielfalt in einem mehrsprachigen Europa“. Sie wollen diese Vielfalt unter dem Blickwinkel Ihrer Profession und im positiven Sinne als eine Herausforderung begreifen. Ich begrüße das und habe deshalb mit Freude die Schirmherrschaft für Ihren Kongress übernommen.
Deutschland, aber auch Europa ist in den letzten Jahrzehnten ethnisch, religiös, kulturell und sprachlich vielfältiger geworden. Allein in Deutschland haben geschätzte 14 Mio. Menschen einen so genannten Migrationshintergrund, entweder aufgrund ihres Geburtsortes oder ihrer Muttersprache. Wir sollten sicher nicht den Fehler begehen, immer nur die Probleme multikultureller Gesellschaften zu thematisieren. Nichtsdestotrotz haben wir viel zu lange ignoriert, dass vor allem die sprachliche Vielfalt besondere Herausforderungen an uns alle stellt.
Das Bildungssystem und der Spracherwerb sind die Bereiche, wo dieses Versäumnis am deutlichsten zu Tage tritt. Es gibt eine steigende Zahl Studierender nicht-deutscher Herkunft, die erfolgreich sind und Heranwachsenden als wertvolle Rollenvorbilder dienen. Doch gleichzeitig verlässt fast jeder 5. ausländische Abgänger die Schule ohne einen Abschluss. Wie eklatant ungerecht die Bildungschancen verteilt sind, wissen wir spätestens durch die internationale Schulvergleichsstudie PISA: Kinder aus der Oberschicht haben eine viermal so hohe Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als Kinder aus einem Arbeiterhaushalt - auch wenn letztere nachweislich über die gleichen Fähigkeiten verfügen. Des Weiteren werden Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit auf Sonderschulen für Lernbehinderte überwiesen. Auch gibt es die besonders traurigen Fälle, wo Kinder weder die deutsche noch ihre Muttersprache ausreichend beherrschen. Und schließlich fördern wir in Deutschland viel zu selten den frühkindlichen Spracherwerb. Und wir wissen, wie wichtig Sprache – die Zweit- und die Muttersprache – sowohl für eine erfolgreiche Integration als auch für den interkulturellen Dialog ist.
Gerade weil wir viel zu lange versäumt haben, die wachsende sprachliche Vielfalt angemessen zu berücksichtigen, freue ich mich sehr, dass die Logopädie „die kulturelle Vielfalt in einem mehrsprachigen Europa“ als eine Herausforderung annimmt. Logopäden heilen Sprach- und Sprechstörungen, sie helfen Menschen, „ihre Stimme zu finden“. Dabei berücksichtigen Logopäden im Rahmen der Diagnose und Therapie die Mutter- bzw. Umgangsprache, Mehrsprachigkeit und den spezifischen kulturellen Hintergrund der Menschen. Doch Logopäden heilen nicht nur – sie sind auch Spezialisten, die bei der Sprachförderung im Kindergarten mitwirken können. Logopäden verfügen über besondere Kenntnisse zum Spracherwerb in zweisprachigen Familien und können dabei helfen, das bilinguale Potenzial eines großen Teils unserer Bevölkerung besser auszuschöpfen. Und so wie ich mir wünsche, dass Migrantinnen und Migranten in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Fuß fassen, um dort die gesellschaftliche Vielfalt widerzuspiegeln und als Rollenvorbilder zu dienen, so wäre es sicher auch erfreulich, wenn sich einige von ihnen auch für den Beruf des Logopäden entschieden.
Ich bin sicher, dass Sie bei diesem Kongress vom Gedankenaustausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen europäischen Ländern profitieren werden. Ich wünsche Ihnen allen einen erfolgreiche Tagung, interessante Vorträge und Diskussionen sowie nicht zuletzt einen schönen Aufenthalt in Berlin.
Cem Özdemir
MdEP
Willkommen
in Berlin
Sprachenvielfalt ist Realität in Europa. Und die Vielfalt von Sprache und Kultur ist eine Bereicherung. Französisches 'Savoir-vivre', britischer Humor, südländische Lebensfreude und nordische Toleranz, das alles findet vielfältige sprachliche Ausdrucksformen. Wer dabei mehr als eine Sprache beherrscht, kann leichter teilhaben am kulturellen Reichtum Europas. Ein Reichtum, der übrigens nicht an den Toren des heutigen politischen Europas endet. Mehrsprachigkeit, egal in welcher Kombination, egal ob englisch oder türkisch, russisch oder deutsch, ermöglicht Verständigung, erleichtert Freizügigkeit und hilft, Grenzen zu überwinden. Mehrsprachigkeit macht kulturell reich!
Umso wichtiger ist es im zusammenwachsenden Europa, die Menschen im Blickfeld zu behalten, die durch Stimm-, Sprech- oder Sprachstörungen in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben behindert werden. Logopädinnen und Logopäden in Europa begreifen das als besondere Herausforderung für ihre Arbeit, wie der Titel des Kongresses verrät. Wie können kulturelle Unterschiede und sprachliche Vielfalt in der Diagnostik und Therapie von Menschen mit Stimm-,
Sprech- und Sprachstörungen angemessen berücksichtigt werden? Wie kann Mehrsprachigkeit in theoretischen Sprachverarbeitungsmodellen angemessen abgebildet werden? Welche Forschungsergebnisse befruchten logopädische Arbeit mit mehrsprachigen Menschen? Der Kongress bietet eine gute Gelegenheit, sich zu diesen und ähnlichen Fragen zu informieren und mit europäischen Experten auszutauschen.
Dabei ist die europäische Verständigung gesichert: die Vorträge sind in deutsch, englisch oder französisch zu hören und auch in den Hallen des berliner congress center (bcc) darf „europäisch“ gesprochen werden.
Fachlicher Austausch und die Möglichkeit, Europa live zu erleben, das gleicht einem fachlichen Urlaub in alle europäischen Nationen gleichzeitig. Die Aktiven im CPLOL sind bekannt für ihre fröhlichen Feste nach getaner Arbeit.
Auch in Berlin ist die Party schon geplant und vorbereitet. Lassen Sie sich also diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen. Europa zu Gast in Berlin, europäische Logopädie im Gespräch, fachlicher Austausch und fröhliches
Feiern: Sie sind herzlich dazu eingeladen. CPLOL und dbl freuen sich auf Ihr Kommen!
Dr. Monika Rausch
Präsidentin des dbl e. V.
Liebe Kollegen und Kolleginnen,
Seien Sie herzlich willkommen zum 6. CPLOL-Kongress, der in diesem Jahr vom 15. bis zum 17. September 2006 in Berlin stattfindet.
Das Thema “Kulturelle Vielfalt in einem mehrsprachigen Europa“ ist in diesem Jahr das Kongressthema. Berlin, Hauptstadt von Deutschland, ist für diesen Kongress ausgewählt worden, weil hier das multikulturelle und multlinguale Herz der deutschen Gesellschaft schlägt.
Bilinguale und multikulturelle Aspekte prägen zunehmend unseren Alltag. Die Erweiterung und das Zusammenwachsen Europas führen dazu, dass auch der Bevölkerungsanteil steigt, der einer logopädischen Therapie in der jeweiligen Muttersprache oder einer gemeinsamen Sprache bedarf. Diese Tatsache erfordert die Entwicklung eines therapeutischen Selbstverständnisses, das diesen Anforderungen Rechnung trägt. Dabei fühlt sich die Berufsgruppe in spezifischer Weise gegenüber Patienten zu einer effektiven und patientenorientierten Therapie verpflichtet.
Der Kongress soll dazu beitragen, das Bewußtsein für die Aufgaben der Berufsgruppe zu schärfen, indem sowohl wissenschaftliche Untersuchungen als auch praktische Erfahrungen zur Diskussion gestellt werden, die Lösungsansätze im Bereich der Mehrsprachigkeit anbieten.
Wie hoffen, dass die Themen dieses Kongresses von der Politik aufmerksam verfolgt werden und zu einer Weiterentwicklung und einem höheren Bekanntheitsgrad unseres Berufes in Europa beitragen werden .
Das Organisationskommittee ist sich bewußt, dass das Kongressprogramm nur einen kleinen Teil des Kongressgeschehens ausmacht, im Mittelpunkt stehen Gespräche, Diskussionen und Begegnungen.
Wir hoffen sehr, dass neben aller Wissenvermittlung, die Begegnung von alten und neuen Freunden im Gespräch und der Spaß nicht zu kurz kommen.
Wir hoffen, dass dieser Kongress in Berlin von vielen Berufsangehörigen der Logopädie aus Europa und der ganzen Welt besucht wird.
Kommen Sie und erleben Sie die multikulturelle und multilinguale Vielfalt beim 6. CPLOL-Kongress in Berlin!
Birgitta Rosén-Gustafsson
Präsidentin, CPLOL |